Spendenkonto
"Ärzte für die Dritte Welt"
Konto: 488 888 0
BLZ: 520 604 10
Bank: EKK Bank

Nummer im Verwendungszweck
Tuberkuloseprojekt: 54517
Ausbildungsprojekt: 54521

Ergänzende Projekte rund um das St. Thomas Home

PPM - Zusammenarbeit mit den lokalen Ärzten
Familienuntersuchungen
Ambulanz für die umliegenden Slums (OPD)
Impfprogramm

PPM

In den Elendsvierteln der Entwicklungsländer wenden sich kranke Menschen aus Unwissenheit und mangelndem Vertrauen zum staatlichen Gesundheitswesen meistens an lokale Heilpraktiker (Quacks), die in den Siedlungen der Armen im Gegensatz zu staatlich geprüften Ärzten in großer Zahl zu finden sind. Diese selbsternannten Doktoren ohne medizinische Ausbildung behandeln die Kranken oft mit pflanzlichen Medikamenten,was bei Alltagsbeschwerden durchaus hilfreich sein kann. Schlagen diese Medikamente allerdings nicht an, so verordnen sie oft auch einzelne Tuberkulosemedikamenten, welche in Indien freiverkäuflich sind. Diagnostische Möglichkeiten und Zugriff auf staatliche Programme stehen den Heilpraktikern praktisch nicht zur Verfügung.

Bekommt nun ein Patient, der an Tuberkulose erkrankt ist, Tuberkulosemedikamente, so wird sich sein Befinden innerhalb kurzer Zeit bessern. Dankbar wird er die kostspielige Behandlung abbrechen. Weder der Patient noch sein Heilpraktiker wissen, dass die Tuberkulose nur durch eine konsequente, sechsmonatige Behandlung mit einer definierten Medikamentenkombination ausgeheilt werden kann.

Innerhalb kurzer Zeit wird der Patient erneut erkranken. Jetzt aber sind seine finanziellen Möglichkeiten durch die vorausgehende Behandlung weitgehend erschöpft, er wird sich nur zögerlich erneut behandeln lassen wollen. Entscheidender ist, dass die Tuberkelbakterien durch die Anbehandlung widerstandsfähig (resistent) gegen Tuberkulosemedikamente geworden sind. Eine erneute Behandlung müsste deshalb umfangreicher und besser kontrolliert werden.

So hat die Behandlung durch den Heilpraktiker diesem Patienten und seiner Familie letztendlich mehr geschadet als genützt.

Bisher zielten alle Lösungsansätze dieses Problems darauf die Quacks möglichst zurückzudrängen. Das Public-Private-Mix-Programm (PPM) der "Ärzte für die Dritte Welt" unter der Leitung von Dr. Tobias Vogt geht einen völlig anderen Weg. Die Quacks werden geschult, damit sie lernen die Symptome der Tuberkulose richtig einzuschätzen. Sie werden motiviert, ihre Patienten rechtzeitig zur TB Diagnostik zu schicken.

Seit Beginn des PPM-Programms im Jahr 2005 wurden 400 Quacks von "Ärzte für die Dritte Welt" geschult.

Liegt nun bei einem Patienten eine Tuberkulose vor, so wird diese entweder in einem staatlich überwachten DOTS Zentrum (DOTS bedeutet directly observed treatment shortcourse und entspricht den Leitlinien der WHO zur Behandlung der Tuberkulose) z.B. am St. Thomas Home behandelt, oder der Heilpraktiker erhält – unter Supervision des St. Thomas Home – selbst die Möglichkeit, seinen Patienten mit kostenlosen staatlichen Medikamenten zu behandeln. Die Verantwortung für die regelrechte Behandlung und die weitere Schulung und Betreuung des Heilpraktikers liegt beim St. Thomas Home.

Mit diesem neuen Ansatz wird das Vertrauen der hilfsbedürftigen sozial schwachen Menschen in staatliche Hilfe gefördert und wertvolles medizinisches Basiswissen bei den Heilpraktikern, die inmitten der Menschen im Slum leben und ihr Vertrauen genießen, gefördert.

Bisher wurden 4500 TB Verdachtsfälle von lokalen Heilpraktikern an unser Programm überwiesen. Bis August 2007 konnten 646 dieser Verdachtsfälle bestätigt werden. Von den begonnenen Behandlungen wurden 82% mit gutem Heilungserfolg abgeschlossen, für manche Patienten, die erst in weit fortgeschrittenem Stadium der TB kamen oder infolge mehrfacher Anbehandlungen bereits multiresistent gegen Tuberkulosemedikamente waren, kam trotz aller Bemühungen die Hilfe zu spät.

Dieses erste Jahr des PPM Projektes macht dennoch Mut, es zeigt einen neuen, vielversprechenden Weg, gemeinsam mit einheimischen Kräften Hunderte von Menschenleben zu retten.

In 2007 wurden 4.649 Patienten beraten, dabei fielen Kosten in Höhe von 12.700 € an, die aus Spenden an "Ärzte für die Dritte Welt" finanziert wurden. Drei Viertel der Kosten entfielen auf den Erwerb von Medizin, 14% auf Personalkosten und 6 % auf Kosten für Röntgenaufnahmen und andere Diagnostik.

Finanzierung PPM

Für diesen Zweck wurden 3,442 Mio. INR (62.000,-€) auf das Konto des St. Thomas Home eingezahlt. Die Ende August noch zur Verfügung stehenden Mittel werden voraussichtlich bis Mitte 2008 ausreichen, um das Programm auf dem jetzigen Niveau fortzuführen.

Die eingezahlten Mittel setzen sich zu fast 100% aus folgenden Spenden zusammen:

2,281 Mio. INR (41.500 €) Spenden über "Ärzte für die Dritte Welt"

1,138 Mio. INR ( 20.600 €) von GLRA

Daneben existieren noch geringfügige Einnahmen aus Gebühreneinnahmen der Patienten (card enty fees).

Familienuntersuchungen

Eine wichtige Aufgabe jedes TB Projektes ist die Familienuntersuchung. Wir wissen, dass jeder TB Kranke etwa zehn Menschen aus seiner Umgebung ansteckt. Besonders wenn Menschen auf engem Raum und unter schlechten hygienischen Verhältnissen zusammenleben, so wie in den Slums von Kalkutta. Betroffen sind hier vor allem die Kinder.

Die Mutter dieser Familie war an Tuberkulose erkrankt. Sie steckte ihre vier Kinder an. Alle vier wurden behandelt.

Vorbeugen ist besser als Heilen. Deshalb wird die Familie jedes TB Kranken von Mitarbeitern des Projektes besucht und eine Untersuchung der Familienangehörigen wird veranlasst.

Ambulanz für die umliegenden Slums (OPD)

Im direkten Einzugsgebiet des St. Thomas Home liegen große urbane Slumgebiete, in denen Tausende von Menschen zusammengedrängt auf engstem Raum zusammenleben.

Das St. Thomas Home bietet für die Menschen aus diesen Slumgebieten mehrmals wöchentlich eine allgemeinmedizinsche Sprechstunde an. Zwei indische Ärzte, welche von "Ärzte für die Dritte Welt" bezahlt werden, stehen für Untersuchungen, Beratung und Behandlung zur Verfügung.

Natürlich ist auch hier die Tuberkulose die häufigste Seuche, aber auch Grunderkrankungen, die die Ausbreitung der Tuberkulose fördern - wie Vitaminmangel, Unterernährung, Eisenmangel, Wurmerkrankungen, - werden ärztlich gesehen und behandelt.

In 2007 wurden 4.649 Patienten beraten, dabei fielen Kosten in Höhe von 12.700 € an, die aus Spenden an "Ärzte für die Dritte Welt" finanziert wurden. Drei Viertel der Kosten entfielen auf den Erwerb von Medizin, 14% auf Personalkosten und 6 % auf Kosten für Röntgenaufnahmen und andere Diagnostik.

Impfprogramm

Eine wichtige Aufgabe der Ambulanz ist das Impfen der Kinder gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Kinderlähmung, Hepatitis B und Masern, Mumps, Röteln und BCG.

Indiens Kinder haben massiv unter durch Impfung verhinderbaren Krankheiten zu leiden. So sterben bis heute jedes Jahr über 100.000 indische Kinder an Masern und mehrere zehntausend erblinden durch die Kombination Masern / Vitamin A-Mangel. Etwa 60.000 indische Neugeborene sterben jedes Jahr an Tetanus (ganz überwiegend mit dem Nabel als Eintrittspforte). Die Last an Typhus, Hepatitis, Keuchhusten und (der inzwischen zurückgedrängten) Poliomyelitis ist erheblich.

Impfen ist daher sicherlich die wichtigste Maßnahme, um schwere Krankheiten zu verhindern und die Kindersterblichkeit zu senken.

Von Anfang März bis Ende Dezember 2007 wurden 3000 Kinder (270 pro Monat) geimpft.

Die Gesamtkosten beliefen sich während der ersten 6 Monate auf 0,12 Mio. INR (rd. 2.200 €). Die Kosten entfielen fast ausschließlich auf den Erwerb von Impfstoffen.

Dr. Tobias Vogt, der die Ambulanz und das Impfprogramm aufgebaut hat und heute noch betreut, erhielt in diesem Jahr den Helmut Stickl Preis der Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, für seinen Einsatz beim Impfen.