Patientengeschichte zur Gehirntuberkulose
Shamima ist eine junge Frau, die mit starken Kopfschmerzen und neu aufgetretenen epileptischen Anfällen zu uns kam. Diese Symptomatik muss jeden Arzt in Kalkutta aufhorchen lassen bezüglich der Möglichkeit dass möglicherweise eine Gehirn-Tuberkulose vorliegt. Wir sehen etwa fünf bis zehn mal im Jahr in unseren Armen-Ambulanzen in Kalkutta auch neue Patienten mit einer Tuberkulose des Gehirns. Meist führt uns die typische Symptomatik aus Kopfschmerzen, Erbrechen, und epileptischen Anfällen zur richtigen Diagnose. Um die Diagnose stellen zu können bedarf es einer Computertomographie des Gehirns. Diese kostet in Indien etwa 20 Euro.
Etwas ähnliches wie die Gehirn-Tuberkulose, aber nicht ganz dasselbe, ist die Tuberkulose der Hirnhäute, die ebenfalls vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene befällt und etwas andere Symptome verursacht. Hier sehen wir auch Verwirrtheitszustände und Bewusstseinstrübungen bis hin zum Koma. Fieber und Nackenschmerzen treten oft hinzu. Patienten mit der Tb der Hirnhäute erblinden leider auch regelmässig durch die Zerstörung des Sehnerven. Die verschiedenen Verlaufsvarianten der Tuberkulose des Gehirns und seiner Hirnhäute werden leider immer noch sehr regelmässig bei Patienten unseres Kalkutta-Projektes beobachtet. Natürlich tun wir alles für eine sofortige und optimale Behandlung, aber die Tuberkulose des Gehirns und der Hirnhäute hinterlässt doch oft auch bei optimaler Behandlung noch lebenslange Schäden.
Es ist besser, diese Patienten für die Dauer der Behandlung im Tb-Krankenhaus zu halten, denn neben den Tb-Medikamenten müssen oft noch Medikamente gegen die Epilepsie und auch etwas Kortison eingenommen werden. Es ist unsere Erfahrung, dass so etwas zuhause, auch bei Mithilfe durch Angehörige, oft schief geht.
Shamima hatte Glück und ihre Gehirn-Tuberkulose konnte folgenlos ausgeheilt werden. Die Behandlung einer Gehirn-Tuberkulose dauert normalerweise mindestens neun Monate. Shamimas Kopfschmerzen verschwanden schliesslich, und auch die epileptischen Anfälle traten später nicht mehr auf, so dass auch die Medikamente gegen die Epilepsie schliesslich beendet werden konnten.
Das Bild links zeigt sie zum Abschluss der Therapie. Wir sehen sie noch regelmässig zu Verlaufskontrollen nach Behandlunsgabschluss, aber es gab nie wieder Beschwerden.
Sie hat im St.Thomas Home aktiv in der Krankenhaus-Schule und am Näh-Unterricht teilgenommen. Wir werden sehen ob sie, wenn sie sich ein bisschen zuhause erholt hat, noch eine Ausbildung für sich anstrebt. Wir sind immer sehr daran interessiert, dass unsere ehemaligen Tb-Patienten, wenn sie geeignet und motiviert sind, eine Ausbildung durchlaufen können, die es ihnen erlaubt, später ein eigenes Einkommen zu haben. Mehr über unser Ausbildungsprojekt
